Wettsteuer in Deutschland: Was die Kostenangaben für Ihren Einsatz bedeuten
Ein Einsatz von 20 Euro und eine Quote von 2,00 scheinen eine einfache Rechnung zu ergeben: Bei einer gewonnenen Wette werden 40 Euro gutgeschrieben. Doch Kostenabzüge können den tatsächlich wirksamen Einsatz oder die spätere Gutschrift verändern. Bei der Wettsteuer in Deutschland kommt es deshalb auf zwei Dinge an: die gesetzliche Berechnung und die vertraglichen Bedingungen des Anbieters.
Sportwettensteuer und Einkommensteuer unterscheiden
Die Sportwettensteuer beträgt nach § 18 des Rennwett- und Lotteriegesetzes 5,3 Prozent der steuerlichen Bemessungsgrundlage. Diese besteht aus dem geleisteten Wetteinsatz abzüglich der darin enthaltenen Sportwettensteuer. Steuerschuldner ist nach § 19 der Veranstalter. Die Steuer entsteht mit der Leistung des Einsatzes – unabhängig davon, ob die Wette später gewonnen oder verloren wird.
Davon zu unterscheiden ist die Einkommensteuer aufseiten der wettenden Person. Gewinne aus gewöhnlichen privaten Sportwetten unterliegen grundsätzlich nicht der Einkommensteuer. Die amtliche Steuerübersicht des Bundesfinanzministeriums erläutert sowohl die Besteuerung der Einsätze als auch die grundsätzlich fehlende Einkommensteuerpflicht der Spielgewinne.
Ein Kostenabzug bei einer gewonnenen Wette bedeutet daher nicht automatisch, dass der Anbieter persönliche Einkommensteuer für Sie einbehält. Entscheidend ist, welche Belastung seine Bedingungen vorsehen. Besondere Sachverhalte außerhalb des gewöhnlichen privaten Wettens benötigen eine eigene steuerliche Prüfung.
Warum 5,3 Prozent nicht immer 5,3 Prozent des Gesamtbetrags sind
Die gesetzliche Bemessungsgrundlage ist bereits um die Steuer vermindert. Deshalb lässt sich der enthaltene Steuerbetrag nicht einfach berechnen, indem man den gesamten geleisteten Betrag mit 5,3 Prozent multipliziert.
Die Berechnung lautet:
Enthaltene Sportwettensteuer = geleisteter Gesamtbetrag × 5,3 ÷ 105,3
Beispiel für die gesetzliche Berechnung
Angenommen, die gesamten Aufwendungen zur Teilnahme an einer Wette betragen 20 Euro. Dann ergibt sich:
- Enthaltene Steuer: 20 Euro × 5,3 ÷ 105,3 = rund 1,01 Euro
- Steuerliche Bemessungsgrundlage: 20 Euro ÷ 1,053 = rund 18,99 Euro
Der Steueranteil entspricht damit rechnerisch ungefähr 5,03 Prozent des Gesamtbetrags. Der gesetzliche Steuersatz bleibt trotzdem 5,3 Prozent: Er bezieht sich auf die Bemessungsgrundlage nach Abzug der Steuer.
Diese Steuerrechnung bestimmt noch nicht, welcher Betrag mit der Wettquote multipliziert wird. Die steuerliche Bemessungsgrundlage und der für die Auszahlung maßgebliche Einsatz müssen nicht identisch sein. Dafür sind die Abrechnungsbedingungen des Anbieters entscheidend.
Wie unterschiedliche Kostenmodelle wirken
Die folgenden Modelle sind frei gewählte Rechenbeispiele. Sie beschreiben keine konkreten Wettanbieter und keine gesetzlich vorgeschriebenen Kundenabzüge.
Für alle Varianten gelten dieselbe angezeigte Quote von 2,00 und ein eingegebener Betrag von 20 Euro. Wo ein Kundenabzug angenommen wird, beträgt er beispielhaft 5,3 Prozent der jeweils ausdrücklich genannten Bezugsgröße. Dieser Prozentsatz ist Teil des hypothetischen Kostenmodells und darf nicht mit der gesetzlichen Steuerberechnung gleichgesetzt werden.
| Beispielmodell | Belastung des Wettkontos | Einsatz für die Quotenberechnung | Gutschrift bei gewonnener Wette |
|---|---|---|---|
| A: Abzug vom eingegebenen Betrag | 20,00 Euro | 18,94 Euro | 37,88 Euro |
| B: Zusätzliche Belastung neben dem Einsatz | 21,06 Euro | 20,00 Euro | 40,00 Euro |
| C: Abzug von der gesamten möglichen Gutschrift | 20,00 Euro | 20,00 Euro | 37,88 Euro |
| D: Kein gesonderter Kundenabzug | 20,00 Euro | 20,00 Euro | 40,00 Euro |
Modell A: Weniger Geld wird mit der Quote multipliziert
Vom eingegebenen Betrag werden zunächst 1,06 Euro abgezogen. Für die Quotenberechnung verbleiben 18,94 Euro. Bei Quote 2,00 entstehen daraus 37,88 Euro Gutschrift.
Gegenüber der Kontobelastung von 20 Euro beträgt der Überschuss bei gewonnener Wette somit 17,88 Euro.
Modell B: Die Kontobelastung steigt
Hier werden volle 20 Euro mit der Quote multipliziert. Zusätzlich belastet der Anbieter das Wettkonto im Beispiel mit 1,06 Euro. Eine gewonnene Wette führt zu 40 Euro Gutschrift; nach Abzug der gesamten Belastung bleiben 18,94 Euro Überschuss.
Bei einer verlorenen Wette gehen unter diesen Annahmen insgesamt 21,06 Euro verloren. Eine Betrachtung allein des angezeigten Einsatzes würde die tatsächlichen Kosten unterschätzen.
Modell C: Die Gutschrift wird gekürzt
Zunächst ergeben 20 Euro bei Quote 2,00 eine mögliche Gutschrift von 40 Euro. Davon werden im Beispiel 5,3 Prozent, also 2,12 Euro, abgezogen. Übrig bleiben 37,88 Euro.
Die Bezugsgröße macht einen erheblichen Unterschied: Würde der Abzug ausschließlich auf den Überschuss vor Kosten von 20 Euro angewandt, wären es lediglich 1,06 Euro. Der Begriff „Gewinnabzug“ ist deshalb ohne nähere Definition zu ungenau.
Modell D: Es erscheint kein separater Abzug
Ohne gesonderte Kundenbelastung werden im Beispiel 20 Euro eingesetzt und bei Erfolg 40 Euro gutgeschrieben. Die gesetzliche Steuerpflicht des Veranstalters besteht dennoch.
Eine Aussage wie „Wir übernehmen die Wettsteuer“ beschreibt daher zunächst die Kostenverteilung. Für die wirtschaftliche Bewertung müssen auch Quote und weitere Bedingungen berücksichtigt werden.
Auszahlung ist nicht gleich Reingewinn
Die Gutschrift einer gewonnenen Wette enthält bei einer üblichen Dezimalquote bereits den zurückgezahlten Einsatz. Eine Gutschrift von 40 Euro bei 20 Euro Kontobelastung bedeutet deshalb einen Überschuss von 20 Euro.
Für einen einzelnen abgeschlossenen Wettschein lässt sich rechnen:
Ergebnis = tatsächliche Gutschrift − gesamte zugehörige Kontobelastung
Eine spätere Überweisung vom Wettkonto auf das Bankkonto ist ein eigener Vorgang. Etwaige Zahlungsgebühren gehören zusätzlich in die Kostenbetrachtung.
Welche Kostenangaben beim Vergleich zählen
Um die Kosten eines Wettanbieters nachvollziehen zu können, sollten dessen Angaben folgende Punkte eindeutig beantworten:
- Bezugsgröße: Wird ein Abzug auf den eingegebenen Betrag, den wirksamen Einsatz, den Überschuss oder die gesamte Gutschrift berechnet?
- Zeitpunkt: Erfolgt die Belastung bei Wettabgabe oder erst bei erfolgreichem Ausgang?
- Gesamtbelastung: Kommen zum angezeigten Einsatz weitere Beträge hinzu?
- Sonderfälle: Welche Regeln gelten bei Stornierung, Rückzahlung oder vorzeitiger Abrechnung?
- Weitere Gebühren: Entstehen zusätzliche Kosten durch Zahlungen oder Währungsumrechnung?
Bei derselben Quote können unterschiedliche Abrechnungsregeln zu verschiedenen Ergebnissen führen. Aussagekräftig sind daher konkrete Eurobeträge und klar definierte Berechnungsgrundlagen.
Auch vollständig transparente Kosten beseitigen das Verlustrisiko nicht. Sportwetten sind ausschließlich für Erwachsene vorgesehen und bieten kein verlässliches Einkommen. Kostenabzüge oder verlorene Einsätze sollten kein Anlass sein, weitere Wetten zur vermeintlichen Verlustaufholung abzuschließen.